Nach VeriSign und Tiscali versucht sich nun auch Alice an einem "Service" für diejenigen Kunden, die sich verschreiben oder nicht existente Domains ansurfen wollen. Man landet dann auf einer Suchseite von Alice/AOL, die sich wiederum der Suche von Google bedient.
Als kleines Beispiel mal die heute (08.10.08) nicht registrierte Domain "nichtexistentedomain.de": Gibt man dies in den Browser seines geringsten Misstrauens, beispielsweise den Firefox ein, dann versucht dieser die Domain auflösen, scheitert erwartungsgemäß, probiert dann in der Standardeinstellung aber "www.nichtexistentedomain.de" aufzulösen und erhält wundersamerweise die IP-Adresse "64.236.172.120". Diese ruft der Browser nun mit passendem "Host: "-Header auf und wird von dort auf die erwähnte Suchseite weitergeleitet. Auf einer Hilfeseite wird einem immerhin die Möglichkeit zum Opt-Out angeboten:
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Das Ganze scheint also weniger ein Versehen, als vielmehr ziemlich geplant zu sein. Wer das Ganze selbst ausprobieren möchte, dem sei der DNS-Server 213.191.74.11 (einer der beiden an meinem DSL-Anschluss per DHCP zugewiesenen) empfohlen:
$ dig www.nichtexistentedomain.de @213.191.74.11
; <<>> DiG 9.3.4-P1 <<>> www.nichtexistentedomain.de @213.191.74.11
; (1 server found)
;; global options: printcmd
;; Got answer:
;; ->>HEADER<<- opcode: QUERY, status: NOERROR, id: 41
;; flags: qr rd ra; QUERY: 1, ANSWER: 1, AUTHORITY: 0, ADDITIONAL: 0
;; QUESTION SECTION:
;www.nichtexistentedomain.de. IN A
;; ANSWER SECTION:
www.nichtexistentedomain.de. 0 IN A 64.236.172.120
;; Query time: 19 msec
;; SERVER: 213.191.74.11#53(213.191.74.11)
;; WHEN: Wed Oct 8 16:52:11 2008
;; MSG SIZE rcvd: 61
mit einem +trace hingegen erhält man das erwartete Ergebnis:
$ dig www.nichtexistentedomain.de +trace
; <<>> DiG 9.5.0-P1 <<>> www.nichtexistentedomain.de +trace
;; global options: printcmd
. 349510 IN NS D.ROOT-SERVERS.NET.
. 349510 IN NS I.ROOT-SERVERS.NET.
. 349510 IN NS L.ROOT-SERVERS.NET.
. 349510 IN NS B.ROOT-SERVERS.NET.
. 349510 IN NS J.ROOT-SERVERS.NET.
. 349510 IN NS E.ROOT-SERVERS.NET.
. 349510 IN NS A.ROOT-SERVERS.NET.
. 349510 IN NS G.ROOT-SERVERS.NET.
. 349510 IN NS F.ROOT-SERVERS.NET.
. 349510 IN NS H.ROOT-SERVERS.NET.
. 349510 IN NS M.ROOT-SERVERS.NET.
. 349510 IN NS C.ROOT-SERVERS.NET.
. 349510 IN NS K.ROOT-SERVERS.NET.
;; Received 500 bytes from 127.0.0.1#53(127.0.0.1) in 58 ms
de. 172800 IN NS S.DE.NET.
de. 172800 IN NS A.NIC.de.
de. 172800 IN NS C.DE.NET.
de. 172800 IN NS F.NIC.de.
de. 172800 IN NS L.DE.NET.
de. 172800 IN NS Z.NIC.de.
;; Received 303 bytes from 192.203.230.10#53(E.ROOT-SERVERS.NET) in 216 ms
de. 7200 IN SOA f.nic.de. ops.denic.de. 2008100861 7200 7200 3600000 7200
;; Received 97 bytes from 2001:608:6:6::10#53(F.NIC.de) in 73 ms
Analog funktioniert das für alle Top-Level-Domains, allerdings scheint das bisher auf FQDN, die mit "www." beginnen und diesen einen DNS-Server beschränkt zu sein.
Zwischenzeitlich sah ich aber auch schon eine Suchseite, die mit ein wenig Werbung ausgestattet war. Dies dürfte wohl der Hauptgrund der ganzen Aktion sein. Gerade solche Vorgänge zeigen, wie notwendig es offenbar ist, in der Frage der Netzneutralität zu handeln. Denn im nächsten Schritt werden dann möglicherweise nicht nur einige nichtexistente, sondern beispielsweise die Webseite des Mitbewerbers, der Zugang zum externen Maildienstleister (was AOL-Deutschland, deren operativer Betrieb inzwischen von Alice weitergeführt wird, auch schon gemacht hat) oder ähnliche Dinge auf Dienste von Alice umgebogen.
[Update] Es scheint nicht nur mir so zu gehen, Netzpolitik berichtet auch
