
Ich habe schon länger überlegt mir ein Notebook anzuschaffen. Nur waren meine Anforderungen nicht immer so ganz einfach zusammenzubringen: Ersteinmal sollte es sogut wie möglich unter Linux laufen, dann natürlich die typischen Dinge wie nicht zu schwer, lange Akkulaufzeit und natürlich sollte es auch nicht zu laut sein. Das schwierigste an der Sache war natürlich das Preislimit von etwa 1000€. Nunja, jedenfalls sprang mich dann vorletztes Wochende die Werbung des Mediamarktes an. Nach einigen Tagen grübeln und forschen und einmal im Laden angucken, schlug ich dann zu. Leider war der dazugehörige Karton etwas zu groß für meinen Rucksack, so dass ich mich entschloß, zu Fuß zu gehen und das Fahrrad zu schieben – was man nicht alles für Opfer bringt
Nachfolgend ein kleiner Bericht über das Notebook selbst
Die Hardware
An Zubehör fand sich für 899€ natürlich außer einem Netzteil, zwei Modemkabel und ein wenig (fast) nichtssagendem Papierkram nichts. Das Gehäuse des Notebooks verwendet Acer auch für andere Modelle – die c’t hatte das gleichteure Acer Aspire 3000 im Test, dieses hat aber einen AMD Turion- Prozessor und kein Centrino. Mein Notebook hat ein 16:9 Breitformatdisplay mit 1280 mal 800 Pixeln auf 15,4″. Die Tastatur tippt sich nach kurzer Eingewöhnung gut, biegt sich aber spürbar durch. Das Touchpad ist auch im Breitformat und hat neben den üblichen Rechts- und Linksklicktasten in der Mitte ein Vier-Wege-Steuerkreuz zum horizontalen und vertikalen Scrollen. Links neben dem Einschalter liegen noch vier Multimediatasten, die unter Windows von irgendeinem Acertool gesteuert werden und unter Linux Scancodes liefern – später mehr dazu.
Auf der linken Seite liegt nur das Slimline CD/DVD-RW-Laufwerk – ein LiteOn SOSW-833S – das am selben ATA-Kanal wie die Festplatte – eine Toshiba MK6025GAS mit 60GB – hängt. An der Vorderseite liegen jeweils links und rechts außen ein Lautsprecher. Zum normalen Musikhören reichen sie, aber man sollte keine Klangwunder erwarten, da die Bässe völlg fehlen. Weiterhin finden sich dort je eine LED für Power und Batterie, je ein beleuchteter Schalter für Bluetooth (in meinem Laptop nicht vorhanden und daher funktionslos) und WLAN (leuchtet aber bisher nur unter Windows), eine USB-Buchse sowie die Audioanschlüsse – Line-In, Mikrophon und Kopfhörer-Ausgang (gleichzeitig optischer Digitalausgang). Auf der rechten Seite findet sich ein PC-Card Typ II-Slot (bisher ungetestet), dann kommen nochmals zwei USB-Buchsen, danach die 10/100MBit-Lan-Buchse, dann die Modembuchse und ganz hinten dann die Lüfteröffnung. Auf der Rückseite ist dann nur noch der Netzteilanschluss, der Monitorausgang sowie der Akku.
Die inneren Werte
Drin ist ein Centrinoset mit einem Pentium M 740 (1,73GHz, 533Mhz FSB und 2MB L2-Cache), ein ICH6-Chipsatz, integrierte Grafik GMA 900, Intel PRO/Wireless 2200BG und 512MB DDR2-RAM. Der Netzwerkchip ist ein Realtek 8139, der Cardbuscontroller ein TI PCI1510, der Soundchip ist ein Realtek ALC260 (HDA).
Software
Vorinstalliert war natürlich Windows XP Home. Die Platte war in zwei gleichgroße Partitionen (mit FAT formatiert) geteilt. Am Anfang der Platte gibt es noch eine knapp 3GB große versteckte Partition mit dem Partitionstyp “Compaq Diagnostics”. Auf der ersten war Windows installiert und die zweite war komplett leer. Unter Windows waren dann noch jede Menge unnützer Sachen installiert, die ich mir aber nicht genauer angesehen hab.
Linux(Ubuntu)installation
Ich verkleinerte dann die Windowspartition auf 9GB und fügte den Rest zu einer großen Partition zusammen. Dann installierte ich mithilfe von Knoppix GRUB im MBR, speicherte den Installationskernel und die dazu passende initrd (siehe Anleitung bei ubuntuuser.de - man muss nur die Pfade auf das aktuelle Release ‘breezy’ ändern und bei den Bootparametern die ramdisk_size auf 16432 erhöhen). Dann mit Grub diesen Kernel booten und wenn der Laptop an einem Netzwerk mit Router un DHCP hängt, sollte das folgende weitgehend problemlos ablaufen. Nachdem die Installation durchgelaufen ist, installiert man noch das Paket ubuntu-desktop, von dem alle benötgten anderen Pakete abhängen.
Spätestens nach einem Reboot wird man schon vom grafischen Loginmanager GDM empfangen – leider noch in der 4:3-Auflösung 1024×768, das auf 16:9 breitgezogen wird. Dies lässt sich leicht beheben: Zuerst muss man in der /etc/X11/xorg.conf eine Zeile finden, die mit ‘Modeline’ beginnt. Dort ändert man dann die Bezeichnung in den “” auf 1280×800 und achtet darauf, dass in der Screen-Section hinter ‘Modes’ exakt die selbe Bezeichnung steht. Hier meine komplette xorg.conf. Als nächstes braucht man das kleine Programm 915resolution, das einen kleinen Bug im Grafikkartenbios ausbügelt. Man findet passende Pakete zum Beispiel bei freshnet. Dann lässt man sich mit Es geht einfacher: 855resolution installieren: sudo 915resolution -l alle vorhandenen Codes anzeigen und überschreibt dann einen mit 1280×800. Zum Beispiel so: sudo 915resolution 58 1280 800. Anschließend ein Neustart der grafischen Oberfläche (Abmelden, dann Strg+Alt+Backspace) und dann sollte alles im richtigen Format sein. Dieser Patch muss bei jedem Boot ausgeführt werden, daher installiert man am einfachsten das Paket 855resolution und kopiert daraus die init.d-Skripte und pass diese auf 915-resultion an.sudo apt-get install 855resolution, dann die Datei /etc/defaults/855resolution mit Inhalten füllen: MODE=58 (dieses eventuell mit eigenem Mode ersetzen), XRESO=1280, YRESO=800.
Das Touchpad inklusive Scrolltasten funktionierte Out-of-the-box, auch das An- und wieder abstecken einer USB-Maus funktioniert ohne Probleme. Das Touchpad lässt sich sogar per Fn+F7 abschalten.
LAN, USB und CD/DVD funktionieren auch ohne weitere Eingriffe. WLAN funktioniert auch. Auch die WLAN-Taste an der Vorderseite zum Ein- und Ausschalten des WLAN funktioniert. Diese Taste leuchtet auch unter Linux, wenn man dem modul ipw2200 beim Laden als Parameter “led=1″ angibt. Dauerhaft kann man das einrichten, indem man die Datei /etc/modprobe.d/ipw2200 mit folgendem Inhalt anlegt: options ipw2200 led=1. Zur WPA-Verschlüsselung habe ich einen extra Artikel geschrieben.
Das Speedstepping funktioniert auch perfekt. Meistens läuft der Prozessor auch nur gelangweilt mit 800MHz
. Wenn der Prozessor auf 100% läuft, dreht auch der Lüfter hörbar hoch. Leider liegt die Ansaugöffnung unter den Notebook, was besonders dann störend ist, wenn man das Notebook auf den Beinen hat.
Die oben beschriebenen Multimediatasten lassen sich nutzen. Die Browser und Mailtaste starten ohne weitere Einstellungen die erwarteten Programme. Zu den weiteren Fn-Tastenkombinationen: Wie bereits erwähnt, funktioniert das Abschalten des Touchpads (Fn+F7), das Abschalten des Display (Fn+F6), das Umschalten des externen Monitor (Fn+F5) funktioniert nicht, Fn+F4 versetzt das Notebook in den Suspend-to-RAM-Zustand, Fn+F3 und Fn+F2 haben keine Funktion, Fn+F1 wirft das CDROM-Laufwerk aus, Fn+F8 würde die Lautsprecher stumm schalten und Fn+CursorHoch und Fn+CursorRunter würden die Lautstärke regeln (jeweils über den alsamixer), wenn der Sound funktionieren würde. Fn und Cursor rechts oder links regelt die Displayhelligkeit. Die € und $-Tasten am Cursorblock ließen sich nicht zur Zusammenarbeit bewegen. Der als Drittbelegung über der Tastatur liegende Ziffernblock funktioniert erwartungsgemäß.
Das Auslesen des Akkuladestandes ist erst nach einer Reparatur des DSDTs möglich.
Suspend-to-RAM funktioniert perfekt und auch erstaunlich schnell. Unter Ubuntu muss man es noch manuell aktivieren: In der Datei /etc/defaut/acpi-support einfach vor der Zeile “ACPI_SLEEP=true” das Kommentarzeichen entfernen. Suspend-to-Disk noch nicht ganz, weil beim Aufwachen der 915resolution-Patch wieder weg ist, das müsste ich noch in die Skripte einflechten, dann funktioniert auch das. Nachdem ich entdeckte, dass das Ubuntu-Paket 855resolution die Displayauflösung auch ändern kann, funktioniert auch Suspend-to-Disk erwartungsgemäß.
Den externen Monitor kann man entweder mit Xorg zum Leben erwecken. Das ist aber sehr verwirrend und ich habe damit keine zufriedenstellenden Ergebnisse erzielen können. Besser gefallen mir Tools wie i810switch oder i855crt, die zwar nur den Bildinhalt spiegeln können, aber das funktioniert wenigstens
Ich habe i855crt vorgezogen, weil es einfach eine bessere Bildqualität liefert. Auf Linux-laptop findet sich eine Anleitung zum Einspielen eines Patches, damit i855crt auch mit i915er Chipsätzen arbeitet.
Nicht getestet
- Modem
- PC-Card
Probleme unter Linux
- Kein Sound – ist auch behebbar, weil der verwendete Chip an sich von alsa unterstützt wird. Mein Bugreport wird bearbeitet. Aktueller Status: Soundausgabe über Line-out-Buchse und Aufnahme über Mic-Buchse. Das Problem scheint bei allen Acer-Notebooks mit dem Realtek-ALC260-Codec aufzutreten.
Siehe auch: weiterer Blogeintrag und Bugreport bei alsa
Fazit
Alles in allem ein gutes und vor allem günstiges Notebook. Wenn die Soundausgabe funktioniert ist das voll und ganz zu empfehlen